Das hört sich an, als wenn Sie glücklich sind, hier zu sein …
Antje Kähler: Ich kann das heute noch kaum fassen, dass ich genommen wurde. Es fühlt sich wie ein Privileg an, dass ich im Hospiz arbeiten darf. An meinem ersten Arbeitstag, am 1. April 2025, stand ich morgens auf der Baustelle mit Frau Weidemann, Herrn Kupke, Herrn Lippert, Frau Semler und der Heimaufsicht des Landkreises Rostock zur Baubesichtigung. Das war sehr aufregend. Aber, ich habe mich sofort willkommen gefühlt und schon nach kurzer Zeit gemerkt, wie es ist, dass Arbeit wertgeschätzt wird. Einfach ein Danke zwischendurch, auch für Kleinigkeiten, die Offenheit der Kollegen, das war neu für mich.
Felix Becker: Mir geht es genauso. Ich schätze sehr, dass es für jede Eventualität jemanden in der Diakonie gibt, der sich auskennt. Selbst wenn nicht, wird nach einer Antwort gesucht. Das ist echt verblüffend, das habe ich vorher nicht kennengelernt.
Wie teilen Sie sich die Leitung des Hauses auf?
Antje Kähler: Einfach zusammengefasst: Ich bin als Pflegedienstleiterin für alles zuständig, was mit Pflege zu tun hat.
Felix Becker: Ich habe als Einrichtungsleiter das Betriebswirtschaftliche, das Qualitätsmanagement, die Koordination von Fremdfirmen und auch die Spendenakquise in der Hand. Viele unserer Aufgaben sind aber fließend, und wir haben den Anspruch, gegenseitig alles zu wissen und zu können. Wir führen die Teambesprechungen zusammen, auch die Gespräche mit den Angehörigen. Uns ist es sehr wichtig, für die Familien unserer Gäste da zu sein, ihre Wünsche und Vorlieben zu erfahren, Halt zu geben.
Das Team ist fast vollständig. Was haben Sie in Zukunft zusammen vor?
Felix Becker: Zwei Pflegefachkräfte fehlen uns noch im Team, das insgesamt interdisziplinär aufgestellt ist. Wir haben mit Herrn Tolander einen erfahrenen Sozialarbeiter, mit dem wir uns sehr gut ergänzen und 13 weitere Fachkräfte. Darunter eine ausgebildete Trauerbegleiterin, eine onkologische Fachschwester, eine psychoonkologische Fachkraft, fünf Pflegefachkräfte mit Palliativ-Care-Ausbildung, eine feste Reinigungskraft wie auch einen Gärtner und einen Hausmeister, die beide auch für andere Einrichtungen zuständig sind.
Antje Kähler: Ich wünsche mir, dass wir uns mit diesem Team fest etablieren und uns einen guten Ruf erarbeiten. Wir fahren pflegerisch einen hohen Qualitätsstandard und wollen diesen halten.
In der Pflege unserer Gäste arbeiten wir bereits Hand in Hand. Ein Team aus zwei Pflegefachkräften ist zusammen für einen Gast da, zum Beispiel beim Betten, bei der Körperpflege oder Mobilisieren. Einfach, weil es unseren Gästen, die schwerkrank sind, gerecht wird, und auch unseren Mitarbeitern hilft, wenn sie sich gegenseitig fördern und unterstützen können in ihrer geistig wie auch physisch fordernden Arbeit. Auch nehmen wir uns Zeit von einer Schicht zur nächsten, sprechen über Zustand und Bedürfnisse der Hospizgäste und Dinge, die unsere Mitarbeiter belastet haben. Es ist wichtig, dass sie Belastendes am Ende des Arbeitstages loswerden und nicht mit nach Hause nehmen.
Felix Becker: Auch haben wir vor, das Angebot für unsere Gäste auszuweiten. Eine ehrenamtliche Begleiterin aus dem Hospizdienst kommt zwei Tage in der Woche zu uns und ist für die Gäste da. Einfach für das, was sie gerne machen möchten. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.
Leben und Sterben so nahe beieinander. Was macht das mit Ihnen?
Antje Kähler: Sterben gehört zum Leben dazu. Mir ist bewusst, dass unsere Gäste nicht wieder gesund werden und nach Hause gehen. Ich erfreue mich daran, wenn der Kuchen geschmeckt hat oder die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse genutzt wurden. Es gibt mir viel zurück, wenn die Menschen zufrieden sind. Ja, sie sterben, aber es belastet mich nicht. Das habe ich über die Jahre gelernt.
Felix Becker: Ich hätte früher nie gedacht, dass ich mit dem Tod umgehen kann. In der Klinik habe ich das häufig erlebt. Ich lasse das ganz wenig an mich heran. Wenn ich Probleme habe oder mich etwas berührt, fängt meine Frau mich Zuhause auf.
Antje Kähler: Ich finde es wichtig, dass das Sterben berührt. Wenn ich das irgendwann nicht mehr kann, ich keine Empathie mehr empfinde, muss ich aufhören. Unser Hospiz ist aber auch ein Ort zum Leben. Man darf lachen, Späße machen, fröhlich sein, man darf weinen. Es vergeht kein Tag, an dem hier nicht gelacht wird. Unsere Gäste mögen das, diese Leichtigkeit im Alltag – und auch für uns macht es die Arbeit jeden Tag schön.
Vielen Dank für das Gespräch!




