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„Wir wollen uns einen guten Ruf erarbeiten“

Antje Kähler und Felix Becker leiten gemeinsam unser neues Diakonie Hospiz Benedikt. Im Interview erzählen sie, was sie motiviert, wer das Team ist und was sie vorhaben.

13.01.2026
Stefanie Daug
Felix Becker und Antje Kähler sind das Leitungsteam im Hospiz Benedikt
Ergänzen sich perfekt: Felix Becker und Antje Kähler Foto: Jörn Lehmann

Ein gutes halbes Jahr ist das Hospiz „in Betrieb“. Wie fühlt sich diese Zeit an?
Antje Kähler:
Es fühlt sich schon viel länger an. So vertraut, wenn man morgens hereinkommt, fast wie ein Zuhause. 

Felix Becker: Ja, als wäre man nie woanders gewesen. Zugleich war es eine sehr aufregende Zeit. Alles war neu, aber wir wurden viel unterstützt von den Kollegen aus der Geschäftsstelle, jede Frage wurde sofort beantwortet. Auch das Team ist zusammengewachsen, wir sind schon jetzt wie eine große Familie.

Antje Kähler: Das habe ich in meiner bisherigen Laufbahn noch nicht erlebt. Wir alle im Team haben uns aktiv beworben und bewusst dafür entschieden, im Hospiz zu arbeiten. Und das merkt man. Alle sind wissbegierig, fragen, antworten, helfen einander. 

Was hat Sie motiviert, zu uns ins Hospiz als neue Einrichtungs- bzw. Pflegedienstleitung zu kommen?
Antje Kähler:
Mein Wunsch in der Palliativpflege zu arbeiten, wurde schon in meiner Ausbildung geweckt. Im zweiten Lehrjahr erlebte ich die Anfänge der Palliativmedizin in der Klinik für Gynäkologie in Schwerin. Nachdem ich danach kurze Zeit in Wuppertal gearbeitet habe, ging ich vor gut zwanzig Jahren in das Güstrower Klinikum. Dort durfte ich ab 2013 die Palliativstation mit aufbauen. Ich leitete die Station, hatte Spaß an der Arbeit, ein tolles Team, bekam zwischendurch zwei Kinder. Als die Diakonie Güstrow begann, ihre Pläne für das Hospiz zu verwirklichen, habe ich das aufmerksam verfolgt. Im Hospiz geht es nicht mehr ums Heilen und die Diagnostik, sondern nur noch darum, was der Mensch braucht am Lebensende. Das ist genau das, was ich machen wollte. Deshalb habe ich mich im Herbst 2023 beworben, ganz offen als Pflegefachkraft oder pflegerische Leitung, denn ich wusste nicht, wie die Strukturen sein werden. Das hat sich erst im ersten Vorstellungsgespräch entwickelt.

Felix Becker: Auch ich komme aus der Pflege. Nach meiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger habe ich 13 Jahre im Funktionsbereich von Kliniken gearbeitet. Zunächst in der Anästhesie, später im Herz-Katheter-Labor, das ich zuletzt leitete. Beruflich wollte ich aber keinen Stillstand, sondern mich weiterentwickeln, mir neue Ziele setzen. Deshalb habe ich mich nach freien Stellen erkundigt und mich als Einrichtungsleiter im Hospiz beworben. Das Betriebswirtschaftliche hat mich immer sehr interessiert, und in meiner Arbeit hatte ich viel mit Einkauf, Zahlen, Statistiken und  Qualitätsmanagement zu tun. Den Job tatsächlich zu bekommen, war für mich wie ein Sechser im Lotto.

Das hört sich an, als wenn Sie glücklich sind, hier zu sein …
Antje Kähler: Ich kann das heute noch kaum fassen, dass ich genommen wurde. Es fühlt sich wie ein Privileg an, dass ich im Hospiz arbeiten darf. An meinem ersten Arbeitstag, am 1. April 2025,  stand ich morgens auf der Baustelle mit Frau Weidemann, Herrn Kupke, Herrn Lippert, Frau Semler und der Heimaufsicht des Landkreises Rostock zur Baubesichtigung. Das war sehr aufregend. Aber, ich habe mich sofort willkommen gefühlt und schon nach kurzer Zeit gemerkt, wie es ist, dass Arbeit wertgeschätzt wird. Einfach ein Danke zwischendurch, auch für Kleinigkeiten, die Offenheit der Kollegen, das war neu für mich.  

Felix Becker: Mir geht es genauso. Ich schätze sehr, dass es für jede Eventualität jemanden in der Diakonie gibt, der sich auskennt. Selbst wenn nicht, wird nach einer Antwort gesucht. Das ist echt verblüffend, das habe ich vorher nicht kennengelernt. 

Wie teilen Sie sich die Leitung des Hauses auf?
Antje Kähler:
Einfach zusammengefasst: Ich bin als Pflegedienstleiterin für alles zuständig, was mit Pflege zu tun hat. 

Felix Becker:  Ich habe als Einrichtungsleiter das Betriebswirtschaftliche, das Qualitätsmanagement, die Koordination von Fremdfirmen und auch die Spendenakquise in der Hand. Viele unserer Aufgaben sind aber fließend, und wir haben den Anspruch, gegenseitig alles zu wissen und zu können. Wir führen die Teambesprechungen zusammen, auch die Gespräche mit den Angehörigen. Uns ist es sehr wichtig, für die Familien unserer Gäste da zu sein, ihre Wünsche und Vorlieben zu erfahren, Halt zu geben.

Das Team ist fast vollständig. Was haben Sie in Zukunft zusammen vor?
Felix Becker: Zwei Pflegefachkräfte fehlen uns noch im Team, das insgesamt interdisziplinär aufgestellt ist. Wir haben mit Herrn Tolander einen erfahrenen Sozialarbeiter, mit dem wir uns sehr gut ergänzen und 13 weitere Fachkräfte. Darunter eine ausgebildete Trauerbegleiterin, eine onkologische Fachschwester, eine psychoonkologische Fachkraft, fünf Pflegefachkräfte mit Palliativ-Care-Ausbildung, eine feste Reinigungskraft wie auch einen Gärtner und einen Hausmeister, die beide auch für andere Einrichtungen zuständig sind.

Antje Kähler: Ich wünsche mir, dass wir uns mit diesem Team fest etablieren und uns einen guten Ruf erarbeiten. Wir fahren pflegerisch einen hohen Qualitätsstandard und wollen diesen halten. 
In der Pflege unserer Gäste arbeiten wir bereits Hand in Hand. Ein Team aus zwei Pflegefachkräften ist zusammen für einen Gast da, zum Beispiel beim Betten, bei der Körperpflege oder Mobilisieren. Einfach, weil es unseren Gästen, die schwerkrank sind, gerecht wird, und auch unseren Mitarbeitern hilft, wenn sie sich gegenseitig fördern und unterstützen können in ihrer geistig wie auch physisch fordernden Arbeit. Auch nehmen wir uns Zeit von einer Schicht zur nächsten, sprechen über Zustand und Bedürfnisse der Hospizgäste und Dinge, die unsere Mitarbeiter belastet haben. Es ist wichtig, dass sie Belastendes am Ende des Arbeitstages loswerden und nicht mit nach Hause nehmen.

Felix Becker: Auch haben wir vor, das Angebot für unsere Gäste auszuweiten. Eine ehrenamtliche Begleiterin aus dem Hospizdienst kommt zwei Tage in der Woche zu uns und ist für die Gäste da. Einfach für das, was sie gerne machen möchten. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. 

Leben und Sterben so nahe beieinander. Was macht das mit Ihnen?
Antje Kähler:
Sterben gehört zum Leben dazu. Mir ist bewusst, dass unsere Gäste nicht wieder gesund werden und nach Hause gehen. Ich erfreue mich daran, wenn der Kuchen geschmeckt hat oder die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse genutzt wurden. Es gibt mir viel zurück, wenn die Menschen zufrieden sind. Ja, sie sterben, aber es belastet mich nicht. Das habe ich über die Jahre gelernt.  

Felix Becker: Ich hätte früher nie gedacht, dass ich mit dem Tod umgehen kann. In der Klinik habe ich das häufig erlebt. Ich lasse das ganz wenig an mich heran. Wenn ich Probleme habe oder mich etwas berührt, fängt meine Frau mich Zuhause auf. 

Antje Kähler: Ich finde es wichtig, dass das Sterben berührt. Wenn ich das irgendwann nicht mehr kann, ich keine Empathie mehr empfinde, muss ich aufhören. Unser Hospiz ist aber auch ein Ort zum Leben. Man darf lachen, Späße machen, fröhlich sein, man darf weinen. Es vergeht kein Tag, an dem hier nicht gelacht wird. Unsere Gäste mögen das, diese Leichtigkeit im Alltag – und auch für uns macht es die Arbeit jeden Tag schön.

Vielen Dank für das Gespräch! 

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