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"Frühförderung gibt Halt"

Milan kam zehn Wochen zu früh auf die Welt. Von Beginn an wird er von der Frühförderstelle der Diakonie Güstrow begleitet, damit er sich bestmöglich entwickeln kann.

20.04.2026
Stefanie Daug
Während der Frühförderung wird Milan individuell betreut
In der Frühförderung wird Milan individuell begleitet Foto: Jörn Lehmann

Milan ist fünf Jahre alt und kam als Frühchen zehn Wochen zu früh zur Welt. 38 cm groß, 1.190 g schwer, ein winziges Bündel Leben, das seine Eltern in Angst und Sorge hielt. Die Geburt war riskant, die ersten Tage verbrachte Milan auf der Frühchenstation. „Wir wussten nicht, ob wir ihn lebend nach Hause bekommen“, erinnert sich seine Mutter, Franziska. „Es war eine Horrorzeit.“ 

Schon im Krankenhaus wurde den Eltern empfohlen, Frühförderung zu beantragen. Als Milan drei Monate alt war, begann Annett Gehrke, Heilerzieherin und Entspannungspädagogin in der Frühförderstelle der Diakonie Güstrow, ihn und seine Eltern zu begleiten. „Wir starteten mit sanften Übungen für Arme, Beine, Hände und Füße, alles langsam, liebevoll, immer im Austausch mit den Eltern, in ihrem Zuhause“, erzählt sie.

Von Anfang an ist Milan ein ruhiges, zurückhaltendes Kind. Auffälligkeiten zeigten sich zunächst schrittweise –  im vergangenen Jahr jedoch wurden kognitive und motorische Besonderheiten deutlicher: Milan lässt sich schnell ablenken, für längere Spiele fehlt ihm die Ausdauer, Regeln zu verstehen oder eigene Strategien zu entwickeln, fällt ihm schwer. Seine Händigkeit wechselt, er überkreuzt die Körpermitte nicht zuverlässig – beim Schreiben schreibt er manchmal von rechts nach links. Seine Aussprache ist noch einfach, er bildet meist Ein- bis Zwei-Wort-Sätze, beschreibt Bilder oder Handlungen unvollständig.

Seit November 2025 wird Milan deshalb intensiver begleitet: drei Fachleistungsstunden Frühförderung pro Woche, statt bislang einer. Hauptsächlich findet die Frühförderung in der Kita statt, zwischendurch auch zuhause, immer angepasst an seine Bedürfnisse. Die 1:1-Betreuung erlaubt es, dass er in Ruhe ausprobieren, üben und lernen kann, ohne vom Trubel der Kita-Gruppe überfordert zu werden. 

Die Eltern sind eng eingebunden. In einem Ordner an seinem Kita-Platz dokumentiert Annett Gehrke genau, was Milan während der Frühförderung macht und wie sie ihn zuhause fördern können. „Wir wissen immer, was in der Kita passiert und fördern alles, was uns Frau Gehrke empfiehlt – Farben, Punkte kleben oder Konzentrationsübungen“, sagt Vater Patrick. Alles geschieht spielerisch und im Alltag, vom Paprika schneiden bis zum Experimentieren mit Spielmaterial.

Die Fortschritte sind sichtbar: Milan nimmt zunehmend die rechte Hand, seine sozialen Fähigkeiten und seine Selbstständigkeit entwickeln sich altersgerecht. Zugleich bleibt er neugierig, aufmerksam und wissbegierig, schaut gerne zu, hilft beim Kochen. „Es geht um Freude, Spaß und das eigene Tempo“, sagt Annett Gehrke. „Nur so kann ein Kind wie Milan wirklich lernen und Selbstvertrauen entwickeln.“ Auch die Eltern merken die Wirkung der Frühförderung deutlich. „Wir wären aufgeschmissen gewesen“, gesteht Vater Patrick. „Wir hätten nicht gewusst, was wir tun sollen.“ Die enge Begleitung gibt Sicherheit, Orientierung und das gute Gefühl, dass ihr Kind optimal unterstützt wird. „Wenn Frau Gehrke empfiehlt, bestimmte Übungen zu machen, richten wir uns danach. Wir wollen das Beste für Milan“, fügt die Mutter hinzu. 

Für die Frühförderstelle der Diakonie Güstrow ist Frühförderung weit mehr als die Begleitung des Kindes. Teamleiterin Annett Gehrke: „Wir beraten die Eltern, begleiten die Familie, schauen auf das Umfeld. Wir sehen, wie das Kind lebt, welche Rituale es gibt, was die Eltern brauchen – das ist viel persönlicher als im Gruppenalltag.“ Susanne Pendel, Pädagogin und seit über 20 Jahren im Team der Frühförderung, ergänzt: „Vor allem die häuslichen Settings geben uns Nähe, Vertrauen und Flexibilität. So können wir die Kinder individuell abholen und unterstützen. Gerade wenn sie so klein sind, ist es etwas ganz Persönliches und schön zu sehen, wenn die Eltern es groß lieben.“ 

Strukturell hat sich in den vergangenen Jahren viel verbessert: Bewilligungen erfolgen häufig bis zur Einschulung, das Monatsbudget erlaubt eine flexible Planung der Frühförderstunden, mehr häusliche Settings und Elternberatung entlasten die Familien. Da die Frühförderung der Diakonie Güstrow mobil ist, erreicht sie Kinder auch im ländlichen Raum, die sonst kaum Unterstützung bekämen. „Ohne Frühförderung wären viele Familien überfordert“, sagt Annett Gehrke. „Die Kinder würden in ihren Fähigkeiten untergehen, die Eltern wüssten nicht, wie sie helfen sollen.“

Für Milan bedeutet das: ein Kind, das in seinem eigenen Tempo lernt, seine Neugier ausleben und Vertrauen in die eigenen Kräfte entwickeln kann. Für die Eltern: die Gewissheit, dass sie nicht allein sind, dass ihr Engagement gezielt unterstützt wird und dass ihr Sohn Chancen hat, die er ohne diese Begleitung vielleicht nicht gehabt hätte.

Und für die Gesellschaft? Frühförderung zeigt, wie Teilhabe, Chancengleichheit und ein funktionierendes soziales Netz zusammenwirken. Sie ermöglicht, dass Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten gefördert, begleitet und geliebt werden – und dass ihre Familien nicht in Unsicherheit und Überforderung zurückbleiben.

„Wir wollen, dass Milan sich entspannt weiterentwickelt, ohne Druck, mit Liebe und Aufmerksamkeit“, sagt Vater Patrick. Und genau das kann die Frühförderstelle der Diakonie Güstrow bieten.

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