Andrea Rüß erzählt, wie ihr Weg zur fachlichen Betreuungskraft in das Haus Kastanienhof nach Massow führte.
Ich habe gerne mit Menschen gearbeitet – auch wenn es nicht immer die einfachen waren. Dieser rote Faden zieht sich durch mein Berufsleben.
Ich bin 58 Jahre alt, Diplom-Landwirtin und habe über 25 Jahre einen Milchviehbetrieb mit vier bis fünf Angestellten geführt. Meine Mitarbeitenden waren überwiegend Menschen, die es nicht leicht im Leben hatten. Menschen mit sozialen Schwierigkeiten, Suchtproblematiken oder Brüchen in ihrer Biografie. Ich wollte ihnen eine Chance geben. Sie haben mir viel Vertrauen zurückgegeben.
Im Jahr 2021 beschloss ich den Betrieb aufzugeben. Meine Söhne haben beruflich andere Interessen und das ist gut so. Gleichzeitig hätte ich investieren müssen, um den Hof wirtschaftlich weiterzuführen. Ich suchte bewusst nach etwas ganz Neuem. Probierte mich hier und da aus. Schließlich kam ich im Juni 2022, vermittelt von der Rentenversicherung, über das Berufsförderungswerk Stralsund ins Haus Kastanienhof. Mit Menschen zu arbeiten, die von einer Suchterkrankung betroffen sind, konnte ich mir aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen sehr gut vorstellen.
Ich begann, begleitet vom Berufsförderungswerk, als Praktikantin. In dieser Zeit erhielt ich die Möglichkeit, hier zu bleiben und absolvierte eine zweijährige sozialpsychiatrische Weiterbildung. Besonders dankbar bin ich dafür, dass mich das Haus Kastanienhof auch in der Zeit zwischen Praktikum und Weiterbildung nicht hängen ließ und mich als Nichtfachkraft weiterbeschäftigte. Seit dem 1. September 2025 bin ich nun fest als fachliche Betreuungskraft angestellt.
Heute begleite ich einen Teil unserer Bewohner in ihrem Alltag. Wir sprechen über ihre Ziele und darüber, wie ich sie unterstützen kann. Dabei ist mir wichtig, dass sie selbst entscheiden, was sie wann tun. Wir Bezugsassistenten geben Hilfestellung, aber wir geben nichts vor. Die Arbeit ist sehr vielseitig, und ich habe in den vergangenen Jahren sehr viel von meinen Kolleginnen und Kollegen gelernt. Dafür bin ich sehr dankbar. Es ist für mich ein großes Glück, noch einmal eine Aufgabe gefunden zu haben, die wirklich zu mir passt.