Frühlingsmärchen
Andacht von Pastorin Milva Wilkat, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Belitz-Jördenstorf

Liebe Leserinnen und Leser,
ich weiß nicht, wie Sie zu Märchen stehen, ich jedenfalls liebe sie. Zudem gehöre ich zu denjenigen, für die Märchen nicht allein in die Weihnachtszeit gehören. Daher hatte ich jetzt im Februar bei meinen Besuchen in den Kindergärten, im Bereich meiner Kirchengemeinde Belitz-Jördenstorf, auch ein besonderes Frühlingsmärchen mit im Gepäck. In diesem wird mit Blick auf Gottes Schöpfertätigkeit besonderes Augenmerk darauf gelegt, wie hingebungsvoll Gott sich der Gestaltung einer jeden einzelnen Blume gewidmet hat. Den einen verlieh er strahlende Farben, den anderen ließ er betörende Düfte zukommen. Nur eine Blume hatte er bei dieser Verteilung aus Versehen nicht sofort berücksichtigt, woraufhin diese ihren Kopf hängen ließ. Doch Gott ließ sie nicht hängen. Auch für sie nahm er sich Zeit und gab ihr sein letztes verbliebenes Grün, sowohl für den Stiel, als auch für die Blätter. Danach nahm er noch einen kleinen Schneerest mit seinem Pinsel auf, den er vorsichtig auf ihre Blütenblätter auftrug. So erhielt sie schneeweiße Glöckchen, weshalb sie den Namen Schneeglöckchen bekam. Zudem versprach Gott dem Schneeglöckchen, dass es die Fähigkeit bekäme, selbst dann, wenn noch Schnee läge, bereits zu blühen, um den Frühling anzukündigen und Hoffnung auf die baldige Farbenpracht zu schenken.
Gott sei Dank ist es nicht in Gänze nur ein Märchen. Gerade in diesen Tagen können wir hier und da in der Natur die kleinen blühenden Hoffnungszeichen des sich nahenden Frühlings entdecken und uns von ihnen verzaubern lassen. Denn die Schneeglöckchen sind für mich nun, da ich das Märchen bei ihrem Anblick immer im Hinterkopf habe, ebenso zu blühenden Erinnerungsboten geworden. Sie erinnern daran, dass wenn Gott sich jeder Blume angenommen hat, er sich ebenfalls jeder und jedem Einzelnen von uns fürsorglich und hingebungsvoll zuwendet. Zugleich ist es eine Erinnerung daran, dass auch wir alle wunderbare Unikate sind, die Gott zudem mit je eigenen Begabungen und Fähigkeiten beschenkt hat. Begabungen und Fähigkeiten, die nicht nur uns selbst, sondern auch anderen zu Gute kommen mögen. Denn sich mit seinen Möglichkeiten in die Gemeinschaft einzubringen, bereichert nicht nur das Miteinander, sondern kann einem ebenso persönlich etwas zurückgeben. Nämlich dann, wenn man einen Gänsehautmoment erlebt, weil man spürt, dass das, was man für einen anderen Menschen getan hat, genau das Richtige im richtigen Moment war und es ihm einfach gutgetan hat.
Rückblickend auf die „35 Jahre Menschen für Menschen“ werden sich gewiss einige ebenfalls an solche bewegenden Momente in ihrem Dienst erinnern können. Doch möge es nicht nur bei Erinnerungen bleiben, sondern wir alle ebenfalls in Zukunft im Miteinander immer wieder wundervolle Momente erleben, in denen wir durch andere Wohltuendes erfahren oder eben auch andere durch uns. So segne Gott eure Worte sowie euer Tun und lasse auf euren Wegen die kleinen Blumen erblühen und sie ihren köstlichen Duft ausbreiten.
Es grüßt Sie herzlich Pastorin Milva Wilkat
Ev.-Luth. Kirchengemeinde Belitz-Jördenstorf