Vielversprechende Wege
Viele Menschen kennen das Gefühl von Alleinsein, vor allem im Alter. Mit geringem Einkommen wächst dieses Risiko. Wie kann die Diakonie Güstrow helfen? Ein Interview mit Projektmanager Michael Noske.

Warum engagiert sich die Diakonie Güstrow rund um die Themen Einsamkeit und finanzielle Not?
Michael Noske: Die Einsamkeit von Menschen nimmt zu, das beobachten wir seit einiger Zeit. Zugleich haben diejenigen, die nur ein niedriges Einkommen und kaum Geld haben, ein größeres Risiko sich einsam zu fühlen. Wir haben deshalb vor einigen Jahren begonnen, Ideen für Angebote zu entwickeln, mit denen solche Menschen in den sozialen Austausch kommen. Grundsätzlich ist das in jeder Altersgruppe ein Thema, aber vor allem ältere Menschen sind betroffen, wenn zum Beispiel Angehörige oder gute Freunde sterben, die Mobilität eingeschränkt ist oder es gesundheitliche Einschränkungen gibt. Oft sind nach dem Berufsleben auch die finanziellen Möglichkeiten limitiert und man kann nicht mehr das soziale Leben führen wie früher vielleicht einmal. Auch kann Einsamkeit Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben, die körperliche und psychische Gesundheit. Insofern ist es für uns selbstverständlich, dass wir uns als Sozialdienstleister diesem Thema annehmen und mit unseren Angeboten zugleich einen Zugang finden, um ältere Menschen beispielsweise auch beraten zu können, welche Unterstützungsleistungen es grundsätzlich für sie gibt.
Welche Ansätze haben Sie entwickelt, um ältere Menschen aus ihrer Einsamkeit zu holen?
Michael Noske: Wir haben drei Angebote entwickelt, mit denen wir gezielt ältere Menschen ansprechen: das Ü60-Frühstück in Sietow nahe Röbel/Müritz, die Warme Mahlzeit wie auch unseren Seniorenclub in Güstrow.
Das Ü60-Frühstück ist ein gelungenes Projekt, das wir im Herbst 2022 mit der Erzählkirche Sietow gestartet haben und inzwischen in Kooperation mit der Gemeinde Sietow fortführen. Alle 14 Tage treffen sich Menschen aus der Region, die älter als 60 Jahre sind, die sich alleine fühlen und denen es finanziell nicht so gut geht zum gemeinsamen Frühstück. Die Gemeinde stellt dafür das Klubhaus am Sportplatz zur Verfügung und Ehrenamtliche begleiten die Treffen. Etwa 30 Menschen nehmen jedes Mal teil, das ist wirklich ein tolles Ergebnis.
Die Warme Mahlzeit in Güstrow richtet sich ebenfalls an ältere Menschen, die Wärme und Gesellschaft suchen und denen tatsächlich auch das Geld für ein gutes Mittagessen fehlt. Entstanden ist das Angebot gemeinsam mit der Güstrower Domgemeinde angesichts der sozialen Auswirkungen der Corona-Pandemie und der gestiegenen Preisbelastungen mit Ausbruch des Ukraine-Krieges. Die Warme Mahlzeit gibt es in der kalten Jahreszeit von November bis März in der Domgemeinde. In den vergangenen zwei Wintern jede Woche, aus finanziellen Gründen in dieser Saison nur zweimal im Monat.
Um Gemeinsamkeit zu finden, betreiben wir in Güstrow auch den Seniorenclub Zuversicht. Momentan treffen sich etwa 15 Senioren jeden dritten Dienstag im Monat bei der AWG Güstrow, die uns kostenfrei einen Raum zur Verfügung stellt. Die Treffen planen die Senioren gemeinsam.
Benötigen Sie Unterstützung für diese Projekte?
Michael Noske: Auf jeden Fall, denn die Anschubfinanzierungen, die es ursprünglich für die Warme Mahlzeit und das Ü60-Frühstück gab, sind aufgebraucht. Die Warme Mahlzeit würden wir gerne wieder jede Woche in der kalten Jahreszeit anbieten können. Diese, momentan zweiwöchige Mahlzeit ist überhaupt nur möglich, weil wir mit dem MAZ-Treff aus Mühlengeez einen großartigen Partner an unserer Seite haben, der das Mittagessen sponsort, kocht und anliefert. Einen weiteren, ganz ähnlichen Partner könnten wir uns gut vorstellen. Eventuell gibt es auch Bäckereien, die mit einer kleinem Nachtisch das Mittagessen bereichern würden oder jemanden, der Obst aus dem Garten beisteuern kann. Der Kreisverband der Gartenfreunde hat uns beispielsweise kürzlich zugesagt, seine Mitglieder diesbezüglich anzusprechen. Gerne kann natürlich auch Geld gespendet werden. Das wäre für das Ü60-Frühstück sehr hilfreich. Dieses finanziert sich im Moment über freiwillige Abgaben der Teilnehmer, von denen sich einige wirklich abringen, ein oder zwei Euro zuzusteuern. Wer Möglichkeiten sieht, kann gerne auf mich zukommen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Sie möchten die Warme Mahlzeit oder das Ü60-Frühstück unterstützen?
Bitte wenden Sie sich an:
Michael Noske
Telefon: 03843 776 1038
michael.noske@diakonie-guestrow.de


