Navigation und Service von Diakonie Güstrow

Springe direkt zu:

Häufige Tags
Blog Kategorien
Balken Lesefortschritt

Ein Begleiter von Würde

Das Diakonie Hospiz Benedikt ist ein würdevoller Ort zum Leben und Loslassen geworden. Frieda Schuldt, Architektin der beauftragten büro bauARTen architekten + ingenieure, beschreibt, welche Gedanken und Aspekte in das einzigartige Architekturkonzept des Hauses eingegangen sind.

10.03.2026
Frieda Schuldt, büro BauARTen architekten + ingenieure
Hospiz-Architektur: Ein Begleiter von Würde
Die Hospiz-Architektur - ein Begleiter von Würde Foto: Jörn Lehmann

Das Hospiz Benedikt setzt den Menschen in den Mittelpunkt. Die besondere Form des Hauses gründet auf dem Bewusstsein, dass das Leben fragil ist und dem Willen, die Bewohner und Bewohnerinnen  zu schützen, sie einzubetten und ihnen gleichzeitig in der Mitte des Lebens einen Platz zu geben. Und so verwundert es nicht, dass der Vorentwurf eine gänzlich runde Form hatte, die beinahe ganz um einen runden Innenhof schloss. Im weiteren Verlauf der Planung wurde diese Form geöffnet, was sowohl auf strukturellen als auch wirtschaftlichen Gründen beruhte.

Im Endeffekt entstand der Entwurf eines Gebäudes, welches die Bewohner und Bewohnerinnen einhüllt und gleichzeitig, wie aus einer Wiege heraus, in die Welt blicken lässt. Der Schutz der Lebensbereiche wird außerdem verbunden mit möglichst hoher Arbeitsqualität für das Personal und der Verzahnung von Begegnung, Teilhabe und Umwelt. 

Zentraler Baustein ist die geschwungene Bewegungsachse, die sich durch das Gebäude zieht. Sie ermöglicht allen Gästen, Besuchern und Mitarbeitern ein bewusstes, langsames Bewegen statt eiliger Geschäftigkeit. Die sich daraus ergebenden Blickwinkel wechseln fortlaufend, was die Wahrnehmung verlangsamt und eine ruhige Alltagsführung unterstützt. 

Die umlaufende, überdachte Außenterrasse fungiert als Schutzzone, die Sicherheit und Orientierung stärkt, ohne den Blick nach außen und in die Weite zu versperren. Diese fließenden Übergänge zwischen Innen- und Außenraum verstärken die Wahrnehmung für die Veränderung. Das Hospiz lädt so an verschiedenen Stellen dazu ein, das Dazwischen, die Veränderung deutlicher zu spüren und und schenkt dem Übergang zwischen Leben und Tod eine besondere Aufmerksamkeit.  

Der Einfall natürlichen Lichts ist eine zentrale Konstante im Haus. Diese natürliche Belichtung und der Bezug zum Außenraum ermöglichen im Innern das Erleben von Wetter und Jahreszeit. Besonders der zentrale Flur erhält durch das nach Osten und Norden ausgerichtete Fensterband im Pultdach besondere Qualität. Hier entwickelt das Licht eine eigene Dynamik, die den Raum immer unterschiedlich wirken lässt. Der Blick aus den Fenstern der Gästezimmer in den Garten sowie die Aufenthaltsmomente im „Raum der Stille“ oder im Gemeinschaftsraum am Kamin können intensiv erlebt werden und die Würde und Lebensqualität im Alltag hervorheben. Das Gebäude ist die Hülle, die Orientierung gibt und zugleich den Blick ins Außen ermöglicht.

Die ausgewählte Materialität orientiert sich an Langlebigkeit und Natürlichkeit. Für eine möglichst geräuscharme Atmosphäre wurde eine massive Bauweise gewählt, die gleichzeitig eine hohe Stabilität für die Bewohner und Mitarbeiter vermittelt. Es kommen Materialien wie Holz und Linoleum zum Einsatz, begleitet von einem durchgängigen Innenraumkonzept, was zu einem wertigen und baubiologisch wertvollen Innenraum beiträgt. Der Bodenbelag im Flur unterstützt die Reduktion der Geschwindigkeit und Geräusche.

Die Technik-, Büro- und Personalräume rahmen die Gäste- und Aufenthaltsräume ein, sodass hier sowohl eine klare Struktur geschaffen wird, als auch die Bewohner von der direkt angrenzenden Wohnbebauung und der Zufahrtsstraße abgeschirmt sind. In diesem Gebäudeteil sind außerdem Räume für die Grundstücksbewirtschaftung und Müllaufbewahrung integriert, womit der ganze wirtschaftliche Ablauf in das Gebäude integriert ist. Zwischen den Gästezimmern und dem Gemeinschaftsraum sind Lagerräume als Pufferzonen angeordnet, um Geräusche abzuschirmen und Ruhebereiche zu sichern. Die Raumstruktur ist so angelegt, dass die Räume der Bewohner stets im Zentrum stehen und nicht zum Endpunkt in langen Korridoren werden. Die sorgfältig gestaltete Innenausstattung begünstigt das Bewusstsein für den Moment, sodass selbst banale Handlungen in diesem Gebäude tiefere Bedeutung erhalten und zum bewusst erlebbaren individuellen Lebensmoment werden.

In der Ausarbeitung des Konzepts in Verbindung mit Materialität und Nutzungsanforderungen entstand ein Hospiz, das sich durch den Schutz der Bedürfnisse der Bewohner und Bewohnerinnen, natürliche Materialien und eine klare Orientierung und Struktur auszeichnet. Die Architektur wird so zu einem Begleiter von Würde – sichtbar in Lichtführung, Ausblicken, Behaglichkeit und der Art, wie die Räume Menschen zusammenbringen.

Die Architektur bietet hier Möglichkeiten –  ganz im Sinne des Leitspruchs des Diakonie Hospizes Benedikt – den Tagen mehr Leben zu geben, auch wenn man dem Leben nicht mehr Tage geben kann.

M.Sc. Frieda Schuldt
büro bauARTen
architekten + ingenieure
Dipl.-Ing. Gabriele Schuldt

verwendete Tags:
Kommentare
0
Kommentar schreiben
Absenden

Diese Beiträge können Ihnen gefallen

03.03.2026
Kommentare vorhanden 0
In Schwaan und Umgebung versorgt Christina Kuhrt, Wundexpertin in der Diakonie-Sozialstation Schwaan, Wunden jeglicher Art.
28.02.2026
Kommentare vorhanden 0
In der Tagespflege und der Sozialstation Schwaan wie auch in der Tagespflege Bützow gibt es neue Zusammenkünfte und Projekte.
30.01.2026
Kommentare vorhanden 0
Am Dienstag, 17. Februar 2026 treffen sich Senioren um 14 Uhr zu einem Fachvortrag zur „Seniorensicherheit“ in der Diakonie-Tagespflege Schwaan zusammen.