Navigation und Service von Diakonie Güstrow

Springe direkt zu:

Häufige Tags
Blog Kategorien
Balken Lesefortschritt

Heimat

Andacht von Christoph Sommer, Militärdekan, Evangelisches Militärpfarramt Rostock

04.08.2025
Christoph Sommer, Militärdekan, Evangelisches Militärpfarramt Rostock
Vögel am Himmel
Vögel am Himmel Foto: unsplash

Liebe Lesende!

Wie ein Vogel, der aus seinem Nest flüchtet, 
so ist ein Mann, der aus seiner Heimat flieht. (Spr 27,8)

Der Ort, an dem Sie leben, ist Ihnen schon immer Heimat gewesen, oder ist es geworden. Manch anderer in Deutschland kann nur wehmütig an die Heimat denken oder ist auf der Suche nach einer Heimat.

In unserer christlichen Tradition wird die Heimat im Himmel oft mit der Ewigkeit verbunden. Das bedeutet auch: Als Gotteskinder macht uns mehr aus, als das, was wir sehen und im Moment sind. Ich würde sagen, wir haben schon Anteil an der Herrlichkeit des Himmels. Wir haben jetzt schon Heimat im Himmel, heißt es im Philipperbrief (3,20).

In der Offenbarung des Johannes am Ende der Bibel richtet sich der Blick nicht nur auf unseren Weg in den Himmel. Gott nimmt Wohnung bei den Menschen – im neuen Jerusalem, auf einer neu gewordenen Erde: „Sieh doch: Gottes Wohnung bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein.“ Das wird in der neuen Heimat der Menschen sein.

Immer wenn ich mit einem Schiff in Dubai war, besuchte ich die Gottesdienste in der St. Mary’s Church. Es ist eine große Kirche. 2000 Menschen können darin Gottesdienst feiern. Fast tausend waren immer da. Menschen aus vielen vielen Ländern. Die meisten aus dem asiatischen Raum, die als „Gast“Arbeiter in Dubai tätig sind. Sie haben ihre Heimat verlassen, um in einem fremden Land zu arbeiten, meist unter schlechten Bedingungen. In der Kirche fanden sie ein Stück Heimat: die Heimat im Glauben, mit anderen. Heimat ist weit weg, ihren Glauben können sie auch dort leben – den haben sie „par cœur“ – „im Herzen“, wie die Franzosen sagen, Heimat bei Gott ist ganz nah, immer nah.

Die Flucht aus Ägypten, der Vertreibung oder der Wanderung bedingt durch Dürre, Hunger oder Krieg, ist eine biblische Urerfahrung: „Ich war ein umherziehender Aramäer“, heißt es in einem biblischen Glaubensbekenntnis. Sie sind mit ihrem Gott gewandert. Das war ihre Sicherheit.

Menschen kommen zu uns. Sie suchen einen Platz zum Leben, oft genug nicht freiwillig, sondern weil sie in ihrer Heimat für sich keine Chance mehr zum Leben sehen. Niemand verlässt seine Heimat leichtfertig. 

Wie schön, dass sie unsere Heimat für so lebenswert halten, dass sie hierher kommen. Ein großes Kompliment für unsere Heimat.

Vielleicht finden sie eine Heimat bei uns. Vielleicht wollen sie aber auch nur Gast sein und dann wieder zurückkehren in ihre Heimat, wenn sich dort die Umstände ändern. Wir leben mit ihnen. Und wer ist nicht schon um der Arbeit willen umgezogen in eine andere Region, gar ein anderes Land – ich bin um der Arbeit willen auch schon von hier nach da gezogen.

Für viele beginnen oder haben die Ferien begonnen. Mancher fährt vielleicht in den Urlaub. Einige reisen vielleicht fern der Heimat. Sie bringen anschließend Fremdheitserfahrungen mit in die Heimat. Sie bringen vielleicht auch Fremdes mit in die Heimat – Mitbringsel, Wein, Essen, Gerichte, Traditionen.

Und selbst wenn wir wegziehen, bleiben wir der Heimat verbunden. Denn wer vergisst schon die Bilder, den Geruch der Heimat oder all die Geschichten, die mit der jeweiligen Heimat verbunden sind?

Mag Heimat noch so weit weg sein, die Glaubensheimat bleibt. Sie ist mehr als ein Gebäude oder ein Ort. Sie ist unabhängig von dem Ort, an dem wir leben. 

Denn in der Tat hat unsere Glaubensheimat immer etwas mit der Ewigkeit zu tun. Unser Glauben atmet diese Ewigkeit. Er gibt uns Sicherheit für unser Leben und unser Sterben. Wir können getröstet sterben, denn unsere Heimat ist mehr als unser Wohnort.

Ihr Christoph Sommer
Militärdekan, Evangelisches Militärpfarramt Rostock

verwendete Tags:
Kommentare
0
Kommentar schreiben
Absenden

Diese Beiträge können Ihnen gefallen

02.04.2025
Kommentare vorhanden 0
Andacht von Pastorin Milva Wilkat, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Belitz-Jördenstorf
24.12.2024
Kommentare vorhanden 0
Andacht von Pastor Jens-Peter Schulz, Ev.-Luth. Pfarrgemeinde St. Marien Güstrow
31.07.2024
Kommentare vorhanden 0
Eine Andacht von Pastor Jonas Görlich, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Lohmen